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«Zivis» sind an den Emmer Schulen nicht mehr wegzudenken

2. April 2025
Seit über zehn Jahren sind Zivildienstleistende in den Emmer Schulen fest verankert. Sie helfen den Lehrpersonen in der Klasse, aber sie unterrichten nicht. Zivis unterstützen Kinder im Schulalltag, begleiten jene, die mehr Hilfe brauchen. Zivis können auch in der Administration, im Hausdienst oder in der Tagesstruktur eingesetzt werden. Wie gelingt das? Wir haben nachgefragt bei Sven Huser, er hat seinen Zivildienst kürzlich im Gersag PS abgeschlossen.

Was hat dich dazu motiviert, Zivildienst an einer Schule zu leisten?
Ich suchte nach einer sinnvollen Tätigkeit als Abwechslung zum Militär. Ich war jahrelang als Leiter in der Jubla Riffig aktiv und der Kontakt mit Kindern und Jugendlichen bereitet mir grosse Freude. So war es für mich naheliegend, den Zivildienst an einer Schule zu leisten.

Welche Aufgaben hast du hauptsächlich in deiner täglichen Arbeit an der Schule übernommen?
Meine tägliche Arbeit an der Schule war sehr abwechslungsreich, jeder Tag war anders. Ich verstand mich sehr gut mit den Kindern und hatte das Glück, regelmässig im Schulunterricht dabei sein zu dürfen. Ich stand den Lehrpersonen als Unterstützung zur Seite und widmete mich jenen Kindern, welche unter Umständen etwas mehr Aufmerksamkeit benötigten.

Weiter übernahm ich administrative Arbeiten, wie Druckaufträge, Materialbeschaffung oder Telefondienst. Auch in der Tagesstruktur der Primarschule Gersag war ich jeden Mittwochnachmittag im Dienst und durfte mit den Kindern einen angenehmen Tag verbringen. Zudem hatte ich die Möglichkeit, an diversen Ausflügen und Aktivitäten teilzunehmen. Ich konnte unter anderem bei der Herbstwanderung, beim Schwimmunterricht im Hallenbad Mooshüsli oder bei einem weiterführenden Workshop an der PH-Luzern als Begleitperson dabei sein.

Inwiefern hat dir der Zivildienst geholfen, deine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln oder neue zu erlernen?
Bevor ich an der Schule anfing, absolvierte ich einen zweiwöchigen Zivildienst-Kurs im Schwarzwald. Dort wurden uns viele Informationen dazu vermittelt, wie wir den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, darunter auch jenen mit Autismus oder ADHS, gestalten können. Dieser Einblick war für mich sehr lehrreich.

In der Praxis war es aber – wie so oft – nicht wie in der Theorie. Jedes Kind in der Schule ist anders und der Umgang muss jeweils individuell gestaltet werden. Ich musste mich und mein Verhalten nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Altersstufen immer wieder aufs Neue anpassen. Dadurch lernte ich viel und konnte mein Einfühlsamkeitsvermögen sowie meine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit stärken.

Wie würdest du die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und den Kindern beschreiben?
Die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften war für mich ab dem ersten Tag sehr angenehm. Im Team der Primarschule Gersag herrscht ein familiäres Klima und ich bin dankbar, ein Teil davon gewesen zu sein. Auch die Zusammenarbeit mit der Schulleiterin Cécile Keller schätzte ich sehr. Die Kinder hatte ich schnell ins Herz geschlossen und es entwickelten sich rasch kleine Freundschaften. Der Abschied vom Team und von den Schülern und Schülerinnen fiel mir nicht leicht.

Welche Vorteile siehst du darin, Zivildienst an einer Schule zu leisten, im Vergleich zu anderen Einsatzbereichen?
Ich konnte im Umgang mit unterschiedlichen Kindern viele Erfahrungen sammeln und Einblicke in unser Bildungssystem gewinnen. Die Arbeit an einer Schule ist sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll. Es wird nie langweilig, da jeder Tag neue Herausforderungen mit sich bringt.

Hat der Zivildienst deine Sichtweise auf Bildung oder die Rolle von Schulen in der Gesellschaft verändert?
Ja. Mir war nicht bewusst, wie herausfordernd die Lehrtätigkeit ist und wie hoch die Belastung zeitweise sein kann. Ich habe grössten Respekt vor jeder Person, die sich dieser Verantwortung annimmt. Auf der anderen Seite bereitet die Arbeit mit Kindern und die Möglichkeit, diese auf dem Weg ihrer Entwicklung zu begleiten, sehr schöne und bereichernde Momente.

Was würdest du anderen jungen Menschen raten, die überlegen, ihren Zivildienst ebenfalls an einer Schule zu absolvieren?
Go for it! Ich würde es all jenen empfehlen, die den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen schätzen und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sind.

Gersag PS
Vorbereitung für die Fasnacht: Der aktuelle Zivi (PS Gersag), Mo Fischer, bei der Arbeit. (Bild: Cécile Keller)